| Wertschaffendes Währungsmanagement als unternehmerischer Erfolgsfaktor |
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Nichts ist so beständig wie der Wandel. Besonders deutlich wird dies heute in der rasanten Entwicklung unserer Informationsgesellschaft, der Wachstumsdynamik neuer Märkte oder der Erschliessung neuer Absatzmärkte. Veränderungen dieser Art stellen Unternehmen vor gewaltige Herausforderungen. Neue Märkte müssen erschlossen, bisher nicht erkannte oder nicht beachtete Risiken müssen vermieden und ganze Wertschöpfungsketten neu strukturiert werden. Und das bei einer wachsenden Innovationsgeschwindigkeit. Diese Aufgaben zu meistern wird aber ohne ein gezieltes Währungs- und Zinsmanagement nicht möglich sein. Zu gross ist inzwischen der Einfluss dieses Finanzbereichs auf den Unternehmenserfolg.
Die Schweiz ist wirtschaftlich sehr eng mit dem Ausland verflochten. Absatz- und Einkaufsmärkte dehnen sich aus und überwinden geografische und politische Grenzen. Auch mittelständische Unternehmen werden heute verstärkt mit Devisengeschäften konfrontiert.
Das gezielte Währungsmanagement wird somit zum unternehmerischen Erfolgsfaktor. Die intensiven Verflechtungen der Weltmärkte, die wachsenden Handelsbeziehungen mit neuen Märkten und auch die starken Schwankungen an den internationalen Devisenmärkten bedeuten für Unternehmen Chancen, aber auch Risiken. Besonders betroffen sind sicherlich Unternehmen mit grossem Anteil an Importen oder Exporten aber auch Vermögensverwalter, Treuhänder und eine ganze Reihe anderer Unternehmensarten müssen sich zunehmend mit Devisenkursschwankungen auseinandersetzen, um den gewünschten Einfluss auf oben genannte Positionen zu erreichen. Diese können so kombiniert werden, dass für die einzelne Unternehmung eine optimale Absicherung zu sehr niedrigen Kosten betrieben werden kann. Durch währungsbedingte Kursgewinne kann somit zusätzlicher Nutzen generiert werden, welcher auf optimalem Timing und konstanter Marktbeobachtung basiert.
Beispiele von aktivem Währungsmanagement
Eine Firma mit 50 Mitarbeitenden am Flughafen Zürich, tätig im internationalen Frachtgeschäft, hatte während drei Jahren Währungsverluste in der Höhe von CHF 750'000.- bis 1 Mio. Die Auswirkungen auf das Unternehmensergebnis und das Eigenkapital waren sehr bedrohlich. Mit einer gezielten Absicherung konnte schon in einem Monat ein Währungsgewinn von CHF 50'000.- erzielt werden.
Ein weiteres Beispiel einer erfolgreichen Bewirtschaftung der Devisenexposures ist eine Firma im Rohstoffhandel, die durch die gezielte Überwachung der Währungsrisiken einen deutlichen Mehrwert von einigen Umsatzprozenten erwirtschaften konnte, was bei einem so niedrigmargigen Geschäft natürlich besonders ins Gewicht fällt.
Mit zunehmender Notwendigkeit der Marktbewertungspflicht von Finanzinstrumenten werden die Auswirkungen von Abscherungsstrategien in der Jahresrechnung vermehrt ersichtlich.
Die resultierende Volatilität in Bilanz und Erfolgsrechnung sowie auf Stufe des Cashflows kann dabei eine unerwünschte Grössenordung annehmen. Die erhöhte Transparenz bezüglich Absicherungstätigkeiten sollte zwar nicht dazu führen von der grundsätzlichen Ausrichtung des Risikomanagements abzuweichen, das Unternehmen muss jedoch im Wissen um den Stellenwert der Jahresrechnung für die Entscheidungsfindung der Kapitalgeber die Auswirkungen von Absicherungsgeschäften auf Bilanz und Erfolgsrechnung kennen. Zeigen sich bei der Beurteilung einer Absicherungsstrategie untragbare Auswirkungen auf die Jahresrechnung, müssen Anpassungen an den geplanten Transaktionen vorgenommen werden.
All dies gilt nicht nur für Unternehmen welche nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften operieren. Da die Kreditfähigkeit eines Unternehmens immer strengeren Kriterien unterworfen wird, ist es schon aus diesem Grund unverzichtbar, transparente Strukturen im Zusammenhang mit unternehmerischem Währungsmanagement zu schaffen und einen Prozess einzuführen, welcher es erlaubt, die jeweiligen
Fremdwährungspositionen systematisch zu bewirtschaften.
Wie mit Währungsrisiken umgehen Umsatz- und Gewinnentwicklung begründen – Unternehmensrisiken aufzeigen
In den Pressemitteilungen international tätiger Unternehmen ist oft zu lesen, dass die Umsätze und Gewinne währungsbedingt weniger zugenommen haben oder sogar geschrumpft sind. In den später veröffentlichten Geschäftsberichten und Aktionärsbriefen werden dann weitere Angaben zum Einfluss der Währungen gemacht. Manchmal wird aufgezeigt, was das Management dagegen zu unternehmen gedenkt respektive wie die Fremdwährungspositionen bewirtschaftet werden. Einige Unternehmen weisen jedoch nur auf fremdwährungsbedingte Abweichungen zwischen Heim- und Lokalwährungen hin oder informieren knapp, dass die Währungsrisiken mit Finanzinstrumenten abgesichert sind (Hedging). Das genügt jedoch nicht. Mehr Transparenz in den Fremdwährungsrisiken und ihrer Bewirtschaftung muss gefordert werden, sonst können die Investoren die Risiken der Unternehmen gar nicht abschätzen.
Vernachlässigung hat Folgen
Oft hinterfragt die interessierte Öffentlichkeit die Erläuterungen zu den Fremdwährungsrisiken nicht oder verlangt gar nicht erst detailliertere Informationen darüber. So muss zum Beispiel das Management an der Generalversammlung erklären, weshalb es geografisch expandieren will. Die Frage, wie die entsprechenden Fremdwährungsrisiken gemanagt werden sollen, kommt nicht einmal auf. Selbst die Analysten der Banken und die Wirtschaftsjournalisten lassen sie oft ausser Acht. Weshalb? Liegt es nicht im Interesse aller Stakeholder zu wissen, welche Fremdwährungsrisiken bestehen und wie sie angegangen werden? Fragen zu diesem Thema werden oft tabuisiert; es wird nur am Rande darüber gesprochen.
Wie sollen sich die Investoren ein Bild davon machen, wie die Unternehmen ihr Budget in Fremdwährungen absichern, wenn sich selbst die Professoren der Universitäten nur marginal damit beschäftigen? An der Universität Zürich zum Beispiel befasst sich kein einziges Institut mit der Absicherung des Budgets. Immerhin beschäftigt man sich an einzelnen Lehrstühlen mit den unterschiedlichen Arten von Fremdwährungsrisiken. Doch wie kann nun ein international tätiges Unternehmen auf die Dollar- oder Euro-Umsätze des Geschäftes Einfluss nehmen? Der Umsatz muss bei der Konsolidierung in die Heimwährung umgerechnet werden. Ist der Franken stärker geworden, so wirkt sich dies belastend auf den Umsatz in Franken gerechnet aus.
Ein bekanntes grosses Reiseunternehmen in der Schweiz hatte sämtliche Reisen in Form von eingekauften Fremdwährungsexposures abgesichert. Als dann der US-Dollar um 15% sank, war die Nachfrage über das Internet abgewandert, da kein Rabattspielraum mehr vorhanden war. Eine Alternative wäre es gewesen, den Kurs nach oben abzusichern und die Währungsgewinne mitzunehmen.
Ein bekanntes Unternehmen der Gerätebranche berichtet zum Beispiel, dass der Umsatz 2007 in Franken 1% zunahm – in Lokalwährungen stieg er jedoch 4%. Für ein anderes international tätiges Unternehmen hatte der Währungseinfluss im vierten Quartal 2007 noch tiefer greifende Auswirkungen. Während der Umsatz in lokalen Währungen 26,5% kletterte, entsprach die Zunahme in Franken 35%. Die Währungen haben folglich einen grossen Einfluss auf die Jahresrechnung. Wird der Franken über eine bestimmte Periode gerechnet stärker, so nehmen die Fremdwährungsumsätze – umgerechnet in Franken – mit der Konsolidierung ab. Wird er schwächer, so nehmen die Umsätze in Fremdwährungen zu. Einen ähnlichen, wenn auch komplizierteren Effekt haben die Währungseinflüsse auf die Unternehmensgewinne. Die Gewinne in Lokalwährung werden mit der Konsolidierung in die Konzernwährung umgerechnet. Auch in der Gewinnrechnung führt ein schwächerer Franken zu einer Zunahme. Mit einem stärkeren Franken sinkt auch der Konzerngewinn (im Vergleich zu den kumulierten Gewinnen der Tochtergesellschaften in Lokalwährungen). Doch es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Fremdwährungsgewinnen und Fremdwährungsumsätzen. Umsätze sind nur schlecht beeinflussbar. Gewinne können jedoch – will man das Schwankungsrisiko glätten – während des Geschäftsjahres indirekt abgesichert werden. Um diese Risiken zu hedgen, müssen die Herkunft und die Art des einzelnen Risikos erkannt werden, damit sie entsprechend behandelt werden können. Dazu bedarf es einer systematischen Aufsplitterung der Fremdwährungsrisiken in drei unterschiedliche Gruppen.
Einfluss variieren
Das Transaction risk entsteht aus geschäftlicher Tätigkeit und beeinflusst die Erfolgsrechnung. Die Risiken sind bekannt oder zumindest kalkulierbar und können mit herkömmlichen Hedging-Instrumenten abgesichert werden. Das Translation risk bezieht sich grundsätzlich auf die Bilanzpositionen, die mit der Konsolidierung in die Heimwährung umgerechnet werden müssen. Dabei kann sich der Wert der Net assets oder des Eigenkapitals ändern. Das Economic risk ist hingegen nicht unmittelbar in der Bilanz oder der Erfolgsrechnung abbildbar. Einen mittelbaren Einfluss auf Umsatz und Gewinn hat es jedoch gleichwohl. Zu denken ist zum Beispiel an die lokale Konkurrenz, die günstiger herstellen kann, oder an die Nachfrage, die wegen der wirtschaftlichen Situation zu- oder abnimmt, aber auch an die eigenen Produktionskosten, die wettbewerbsfähig sind oder auch nicht. Auf die Gewinne in Fremdwährungen haben sodann alle drei Risikoarten direkt oder indirekt Einfluss. Das Economic risk hat beispielsweise zur Folge, dass die US-Tochtergesellschaft eines Schweizer Konzerns im Vergleich zu ihren lokalen Konkurrenten billiger aus der Schweiz einkaufen kann (wenn sich der Franken abschwächt). Auf Grund tieferer Verkaufspreise zieht der Umsatz an. Sie verschafft sich somit einen Wettbewerbsvorteil. Das Economic risk kann jedoch nur bedingt von den Unternehmen beeinflusst und nicht mit herkömmlichen Absicherungsinstrumenten gemanagt werden. In Betracht kommen allenfalls Produktionsverbesserungen, Preisanpassungen und Standortwechsel. Das Translation risk entsteht durch längerfristige Bilanzpositionen in Fremdwährungen. Diese Positionen umfassen normalerweise Investitionen wie Beteiligungen oder Darlehen, die das Unternehmen aus strategischen Überlegungen eingegangen ist. Eine Absicherung mit Finanzinstrumenten auf unbestimmte Zeit macht jedoch kaum Sinn. Deshalb wird das Translation risk oft nur situativ abgesichert.
Bemühungen lohnen sich
Am einfachsten zu bewirtschaften ist das Transaction risk. Die unterjährigen Fremdwährungseinflüsse auf die Erfolgsrechnung können gut abgeschätzt werden. Bei der Planung des Budgets wird mit einer Marge gerechnet, die es zu erreichen gilt. Auch für die einzelnen, in sich geschlossenen Projekte mit einem Fremdwährungsanteil ist eine vorauskalkulierte Marge zu erzielen. Sie gilt es dann der unternehmenseigenen Strategie entsprechend und mit herkömmlichen Absicherungsinstrumenten zu managen. Fremdwährungseinflüsse auf Unternehmensgewinne (aus Transaktion risk)lassen sich also einfacher handhaben als die auf Umsatzschwankungen (aus Economic risk). Negative Einflüsse auf Fremdwährungsumsätze sind deshalb von Investoren eher zu akzeptieren als ein fremdwährungsbedingter Gewinnrückgang. Denn für den letzteren hat das Management die Möglichkeit zu reagieren und die währungsbedingten Gewinnschwankungen zu glätten oder zumindest die Investoren darauf aufmerksam zu machen, dass Gewinnschwankungen bewusst in Kauf genommen werden müssen. Doch ist die Öffentlichkeit eher an Beständigkeit interessiert als an hohen Gewinnen im einen und großen Verlusten im anderen Jahr. Eine unstabile Gewinnentwicklung erschwert zudem gute Public relations. Nicht nur die Anleger werden verunsichert, sondern auch andere Stakeholder wie Mitarbeiter und Kunden. Grosse Ergebnisschwankungen haben aber auch Einfluss auf die Bonitätsbewertung und somit auf die Zinskosten. Hinzu kommt, dass hohe Gewinne bei progressiven Steuersätzen zu höheren Steueraufwendungen führen. Erheblich schwankende Gewinnzahlen werden oft als ein Indiz für ein schlechtes Management verstanden, da geglaubt wird, die Führungsspitze könne nicht effektiv planen und habe die Entwicklung des Unternehmens nicht im Griff. Es liegt also auch im Interesse des Managements, Investoren, Mitarbeiter und Kunden und sowie die Öffentlichkeit über die Fremdwährungsrisiken und das -management detailliert zu informieren.
Die Forex Management GmbH, mit Sitz in Zug, ist auf operatives und strategisches Währungsmanagement spezialisiert. Mit dem Forex Exposure System® bietet sie mittelständischen Unternehmen ein Risikomanagement Tool an, welches die bestehenden Währungsrisiken sichtbar macht. Mit einer, auf die Firmenphilosophie abgestimmten Methodik, können die Risiken in Chancen gewandelt werden und einen spürbaren und messbaren Mehrwert schaffen.
Silvan Müller Dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling
__________________________________________________________ Silvan Müller ist Partner der Forex Management GmbH in Zug und Mitglied der eidgenössischen Fachkommission Internationale Rechnungslegung sowie Dozent an der AKAD Business in Zürich für internationale Rechnungslegung und Konzernrechnung.
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